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= Schlüsselqualifikation, die auf die Identifizierung und gleichstellungsorientierte Berücksichtigung der Facetten von Gender-Aspekten auf der (adressat*innenbezogenen) Handlungsebene abzielt (vgl. Böllert/Karsunky 2008) und eine Basis für Gender Mainstreaming bildet (vgl. Henschel 2012).

Eine gender-kompetente Person verfügt über Wissen hinsichtlich der Entstehung bzw. sozialen Konstruktion von Geschlechterrollen und -verhältnissen sowie der geschlechterbedingten Diskriminierung aufgrund gesellschaftlicher Rollenbilder und die Erkenntnis ihrer Veränderbarkeit (siehe Gender und (Un)Doing Gender). Sie ist zudem fähig zur Reflexion von (eigenen) geschlechtlichen Rollenbildern, erkennt strukturelle Ungerechtigkeiten und ist bereit, gleichstellungsorientiert zu handeln (vgl. GenderKompetenzZentrum 2013; Albrecht/Wäscher-Göggerle/Lindermayr 2013; Böllert/Karsunky 2008). Genderkompetenz setzt sich entsprechend aus Urteils-, Sach- sowie Handlungskompetenz zusammen. Im Zusammenhang mit letzterer fördert das bereitgestellte Genderwissen die Bereitschaft, gegen Diskriminierungen vorzugehen (vgl. Albrecht/ Wäscher-Göggerle/Lindermayr 2013) und unterstützt bei der Verständigung zwischen den Geschlechtern (vgl. Kunert-Zier 2005). Dabei liegt „Genderkompetenz […] eine Haltung der Anerkennung der Verschiedenheit der Individuen zugrunde" (Kunert-Zier 2005, S. 289).

Bezüge zur Sozialen Arbeit

Genderkompetenz umfasst all jene Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissensdimensionen, über die eine Fachkraft der Sozialen Arbeit zur geschlechterbewussten und gleichstellungsorientierten Gestaltung ihrer Arbeit, insbesondere im Zuge von Gender Mainstreaming, verfügen muss (vgl. Böllert/Karsunky 2008). Damit stellt Genderkompetenz in der Sozialen Arbeit eine Fachkompetenz dar.

Fragen von biologischem und sozialem Geschlecht, geschlechtsbezogener Sozialisation oder Mädchen- und Jungenarbeit finden sich in den Curricula der Ausbildungen und Studiengänge wieder.


Praktische Relevanz hat Genderkompetenz in der Sozialen Arbeit z.B.

  • in der Arbeit mit Mädchen und Jungen – sei es in gemischtgeschlechtlichen oder geschlechtshomogenen Gruppen,
  • in der Teamarbeit, in der sich Frauen und (in der Regel weit weniger) Männer mit pädagogischen und konzeptionellen Fragen auseinandersetzen und dabei stets auch die eigenen Geschlechtsrollen und Rollenerwartungen – auch im Umgang mit der eigenen Geschlechtsgruppe – mit einfließen,
  • in der Kooperation mit Müttern und Vätern, die jeweils ihre Bilder von einer „guten Mutter“ und einem „guten Vater“ sowie geschlechtsbezogene Bilder in Bezug auf ihre Kinder mitbringen,
  • in der individuellen Reflexion und Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung sowie den eigenen Normen und Werten, die im Arbeitsalltag eine Rolle spielen,
  • uvm.

Literatur

Albrecht, Christa/ Wäscher-Göggerle, Veronika/ Lindermayr, Monika (Hrsg.) (2013): mach es gleich! eine Lehr- und Lernmappe für Theorie und Praxis zum Thema Gender & Schule. Bregenz: Verein Amazone, S. 50.

Böllert, Karin/ Karsunky, Silke (2008): Genderkompetenz in der Sozialen Arbeit. Wiesbaden: Springer VS.

GenderKompetenzZentrum (2013): Gender Kompetenz. URL: http://www.genderkompetenz.info/genderkompetenz-2003-2010/gender/genderkompetenz.html [01.12.2016].

Henschel, Angelika (2012): Gender Mainstreaming als Aufgabe der Organisationsentwicklung im Kontext von Sozialmanagement. In: Bassarak, Herbert/ Schneider, Armin (Hrsg.): Forschung und Entwicklung im Management sozialer Organisationen. Augsburg: ZIEL-Verlag, S. 82–100.

Kunert-Zier, Margitta (2005): Erziehung der Geschlechter. Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in sozialpädagogischen Feldern. Wiesbaden: Springer VS.

weiterführende Literatur

Gleichstellungsbüro der Universität Göttingen (2010): Gender in die Lehre. Leitfaden der Universität Göttingen. Georg-August-Universität Göttingen.

Kunert-Zier, Margitta (2008): Genderkompetenz in Aus- und Weiterbildung  – Nicht alles muss neu erfunden werden! In: Betrifft Mädchen, 1/2008, S. 24–27.

Schneider, Claudia (2013): Genderkompetenz: Vom alltagsweltlichen Geschlechterwissen zur theoriegeleiteten Professionalität. In: Ernstson, Sven/ Meyer, Christine: Praxis geschlechtersensibler und interkultureller Bildung. Wiesbaden: Springer VS, S. 19–40.


Leuphana Universität Lüneburg / Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik / Projekt "KomPädenZ Potenzial" 2017

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