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„Unsere Sprache ist ein Spiegelbild unseres Zusammenlebens: Wie wir studieren, arbeiten, lehren oder forschen, was wir wichtig finden und was wir übersehen – das alles findet seinen Ausdruck in der Sprache. Mit der Sprache lernen wir die Werte und Normen unserer Kultur und reproduzieren sie gleichzeitig“ (ASH Berlin 2012). Ein grundlegendes Prinzip von Sprache ist es, Unterscheidungen vorzunehmen. Dieses Prinzip hat das Potenzial zur Diskriminierung. Sprachhandlungen schaffen und bestätigen gesellschaftliche Normen und Wertehandlungen. Es gibt nicht die diskriminierungsarme Sprache.

Als sensible*r Sprecher*in geht es in diesem Kontext in erster Linie darum, sich kontinuierlich mit diskriminierenden Sprachhandlungen zu beschäftigen und sie in einem folgenden Schritt anzusprechen, zu diskutieren und auf kreativem Wege herauszufordern (sowie die mit ihnen verbundenen Wahrnehmungsgewohnheiten zu irritieren) – parallel zur Veränderung des eigenen Sprachgebrauchs beim Sprechen und Schreiben.

Ein Teilbereich der diskriminierungsarmen Sprache ist die Verwendung von barrierereduzierenden Sprachhandlungen, denn solche berücksichtigen unterschiedliche Kommunikationskompetenzen. Die*der Sprecher*in versucht sich so auszudrücken, dass sich möglichst viele Personen – im Idealfall alle – angesprochen fühlen. Außerdem hören die Sprechenden genau hin, um dann die Bedürfnisse unterschiedlicher Personen für Kommunikationsformen wahrzunehmen sowie zu berücksichtigen (vgl. AG Feministisch Sprachhandeln 2015).

Siehe auch: gendersensible / gendergerechte Sprache

Bezüge zur Sozialen Arbeit

In der Praxis der Sozialen Arbeit, insbesondere im Kontext der Arbeit mit Gruppen, begegnet den Fachkräften immer wieder ein „DIE“, welches oft anstelle des Ausdrucks „WIR“ genutzt wird. Dadurch werden – durch Sprache und Handlungen – andere Personen bewusst abgewertet. Damit verbunden sind diskriminierende Sprachhandlungen, z.B. wenn von „den Flüchtlingen, die alle unsere Frauen vergewaltigen wollen“ oder „den Polit-Bonzen, die den Kontakt zum Volk verloren haben“ geredet wird. Nicht immer sind die Äußerungen derart überspitzt und deutlich als diskriminierend erkennbar. Häufiger werden sie sicher indirekt und implizit auftreten, z.B. wenn im Jugendzentrum eine Gruppe männlicher Jugendlicher über die wenigen weiblichen Besucherinnen lästert oder wenn im Kindergarten ein Kind aus einem sozial benachteiligten Elternhaus wegen seiner Kleidung verspottet wird.

Auch wenn in der Sozialen Arbeit eine diskriminierungsarme Sprache heutzutage überwiegend zum Alltag gehört, ist es teilweise schwer, gegen diese Form der Gruppenbildung anzugehen. Ziel von Sozialer Arbeit muss es aber sein, auch wenn positive Wertschätzung, Klient*innenzentriertheit sowie Empathie zu den Kernelementen der Sozialen Arbeit gehören, solche Diskriminierungen klar als solche zu benennen und sie in der Praxis der Sozialen Arbeit zu unterbinden. Dazu kann auch gehören, sie zu reflektieren, dahinterliegende Ängste oder Wünsche herauszufinden und die Situation so zu versachlichen.

Literatur

AG Feministisch Sprachhandeln (2015): Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit. 2. Auflage. Berlin.

ASH (Alice Solomon Hochschule Berlin) (2012): Hinweise und Empfehlungen für geschlechtergerechte Sprache an der ASH. URL:  https://www.ash-berlin.eu/fileadmin/user_upload/pdfs/Profil/Frauenb%C3%BCro/Hinweise_und_Empfehlungen.PDF. [01.12.2016].

Leuphana Universität Lüneburg / Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik / Projekt "KomPädenZ Potenzial" 2017


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