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(aus dem Lateinischen „migratio“; bedeutet wörtlich übersetzt „Wanderung“)

= Sachverhalt, dass eine Person oder eine Gruppe von Personen ihren Lebensmittelpunkt räumlich verlegt (vgl. BAMF 2016). Dies kann auf freiwilliger oder unfreiwilliger Basis, für einen begrenzten oder unbegrenzten Zeitraum und innerhalb eines Landes (= „Binnenmigration“) oder auf internationaler Ebene geschehen.

Gemeinhin wird zwischen zwei Arten von Migration unterschieden, der Immigration und der Emigration. Erstere meint die Zuwanderung zu einer Aufnahmegesellschaft und letztere die Abwanderung aus der Heimatgesellschaft (vgl. Deutscher Museumsbund 2015). Neben diesen Hauptformen gibt es noch weitere Differenzierungen, wie die „recurrent migration“, bei der die Heimatgesellschaft nur gelegentlich oder saisonal verlassen wird, oder die „transmigration“, die eine Form der Migration beschreibt, bei der sich die Betroffenen „aus wirtschaft­lichen Gründen, z.B. als Manager/in oder Spezialist/in, u.U. über einen längeren, unbestimmten Zeitraum von Ort zu Ort“ (Deutscher Museumsbund 2015) bewegen und „multidirektionale Beziehungen“ (ebd.) unterhalten.

Die Bezeichnungen „Migrantin“ und „Migrant“ wurden auf internationaler Ebene (z.B. in Texten der Vereinten Nationen) zunächst für Menschen verwendet, die ihren Lebensmittelpunkt auf freiwilliger Grundlage und ohne externe Zwänge längerfristig verlegten. Inzwischen bezieht er sich sowohl auf jener Ebene als auch im allgemeinen Sprachgebrauch zusätzlich auf geflüchtete Menschen und andere Personen, deren Migrationsbewegung durch externe zwingende Gründe beeinflusst ist (vgl. European Migration Network 2014). Dabei hat zumindest in Deutschland im allgemeinen Sprachgebrauch der Aspekt der Lebensmittelpunktverlagerung an Bedeutung verloren (vgl. Sow 2011). Die Bezeichnungen werden häufiger zur „Stigmatisierung“ (ebd.) von Menschen verwendet und um (gegenüber People of Color rassistisch) kennzeichnen zu können, dass sie aus der Perspektive der Sprechenden nicht (vollständig) zur Mehrheitsgesellschaft gehören (sollen) (wobei viele Leute auch meistens People of Color meinen, wenn sie von „Migrantin“ oder „Migrant“ sprechen; vgl. ebd.).

Ähnliches lässt sich tendenziell für den Begriff „Migrationshintergrund“ festhalten (vgl. ebd.). Während beispielweise das Statistische Bundesamt von einem Migrationshintergrund spricht, wenn die jeweils gemeinte Person selbst oder eines ihrer Elternteile über eine Migrationserfahrung verfügt, die sich auf eine internationale Ebene bezieht (vgl. BAMF 2016), geht es vielen Personen, die diesen Begriff gebrauchen, weniger um den „tatsächlichen Erfahrungsbezug der bezeichneten Person“ (Utlu 2011), der möglicherweise auch gar keine Migrationserfahrung umfasst (vgl. ebd. & Sow 2011). Stattdessen soll die bezeichnete Person auf eine vermeintlich akzeptable Weise als „fremd“ gekennzeichnet und ggf. darauf reduziert werden (vgl. Sow 2011 & Utlu 2011). Die Formulierung des „Hintergrunds“ unterstreicht dabei, dass die „Fremdheit“ als etwas aufgefasst wird, das „permanent gültig [ist] und davon unabhängig, wie lange es her ist, dass einmal ein Vorfahre einwanderte“ (Utlu 2011).

Bezüge zur sozialen Arbeit

In der Sozialen Arbeit ist ein Tätigkeitsfeld, das in den letzten Jahren (wieder) zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, die Arbeit mit Geflüchteten und Migrant*innen. Dabei reicht die Altersspanne dieser Personen von Kleinkindern bis hin zu alten Menschen. Neben der Geflüchtetenberatung oder der Arbeit in Migrations- und Integrationsprojekten sind die Berührungspunkte zu Menschen mit Migrationserfahrungen in allen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit vielfältig. Gerade deshalb ist ein Bewusstsein und Wissen notwendig, diese Adressat*innen mit ihren Bedürfnissen wahr und ernst zu nehmen. Im Sinne eines intersektionalen Vorgehens sollten Diskriminierungen, die bei Personen mit Migrationserfahrung häufig als mehrfache Diskriminierungen auftreten, wahrgenommen und reflektiert werden. Die Aufgabe Sozialer Arbeit ist es, die kulturelle und soziale Vielfalt als Chance und Ressource zu sehen und entsprechend zu fördern (siehe Abschnitt zu Diversity).

Literatur

BAMF – Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2016): Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung. Migrationsbericht 2015. URL: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Migrationsberichte/migrationsbericht-2015.pdf?__blob=publicationFile [02.01.2017].

Deutscher Museumsbund (Hrsg.) (2015): Museen, Migration und kulturelle Vielfalt. Handreichungen für die Museumsarbeit. Berlin: Selbstverlag.

European Migration Network (2014): Asylum and Migration. Glossary 3.0. URL: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/EMN/Glossary/emn-glossary.pdf?__blob=publicationFile [02.01.2017].

Sow, Noah (2011): Migrant. In: Arndt, Susan/ Ofuatey-Alazard, Nadja (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast, S. 444–445.

Utlu, Deniz (2011): Migrationshintergrund. Ein metaphernkritischer Kommentar. In: Arndt, Susan/ Ofuatey-Alazard, Nadja (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast, S. 445–448.

weiterführende Literatur

Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (Hrsg.): Migration und Soziale Arbeit. Weinheim: BeltzJuventa (vierteljährliche Zeitschrift; URL: http://www.beltz.de/fachmedien/sozialpaedagogik_soziale_arbeit/zeitschriften/migration_und_soziale_arbeit.html [03.01.2017]).

Vahsen, Friedhelm G. (2000): Migration und Soziale Arbeit: Konzepte und Perspektiven im Wandel. Neuwied (u.a.): Luchterhand.

Leuphana Universität Lüneburg / Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik / Projekt "KomPädenZ Potenzial" 2019


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